Ich reis(s)e aus

…und bin draußen

25.-27-07.18

Nach vielen Wanderungen allein sind diese Tage auf dem Goldsteig im Tal der Ilz eine wunderbare Abwechslung in Gesellschaft mit Treegirl, die ich aus dem Hängemattenforum kenne.

Am Mittwoch, 25.07.18 treffen wir uns – Treegirl und Hilda1307 -, um zusammen 3 Tage an der Ilz im Bayerischen Wald zu wandern, natürlich mit unseren Hängematten für 2 geplante wilde Nächte im Wald. Treffpunkt ist in Grafenau, wo wir erst einmal gemeinsam ausführlich frühstücken.

Wir wollen weder Geschwindigkeits- noch Kilometerrekorde brechen und lassen uns gerade wegen der außergewöhnlichen Hitze Zeit, so dass wir vom Startort in Preying (erst) gegen 12:00 Uhr aufbrechen, beide vollbepackt, und beide mit je etwas mehr als 3 Litern Wasser.

Nach 500m erreichen wir den Goldsteig, dem wir folgen wollen, und etwa einen weiteren Kilometer später kommen wir an die „Schwarze Perle“  Ilz. Wir haben vor, heute bis kurz vor die Schrottenbaummühle zu gehen, um uns in der Nähe irgendwo ein Übernachtungsplätzchen zu suchen. Das Tal der Ilz ist tief eingeschnitten, d.h. die Umgebung an ihren Ufern ist steil und zum Hängen nicht ideal. Außerdem führen auf beiden Seiten viel begangene Wege entlang, auch dies ebenfalls nicht ideal für einen ruhigen und unentdeckten Übernachtungsplatz. Aber erst einmal zum Wandern ist es hier super, schattig, und etwas kühler wegen der Wassernähe, außerdem müssen wir uns kaum für Höhenmeter anstrengen.

Die Ilz

Wir machen ein paar Mal Rast und haben viel zu erzählen, bis wir am Nachmittag anfangen, uns nach einem Lagerplatz umzusehen. Nach 2 Fehlversuchen steuern wir ein kleines Waldstück etwa 1,5km von der Ilz entfernt an. Als wir aus dem vergleichsweise kühlen  Flusstal herauskommen, trifft uns die spätnachmittägliche Hitze wie ein Vorschlaghammer. So ist es ganz gut, dass es in dem Waldstück einen Bach geben soll (der hoffentlich auch Wasser führt), wo wir Geschirr und auch die Körper voller ehrlichem Wanderinnenschweiß abwaschen können.

Das Waldstück erweist sich als geeignet, auch wenn auf den umliegenden Feldern noch viel bäuerliche Aktivität stattfindet. Wir suchen uns die richtigen Hängebäume aus, bauen aber noch nicht auf, sondern kümmern uns erst einmal um unser Outdoor-Dinner, wozu wir beide etwas beitragen wollen. Neben lauwarmen Wasser gibt es Laugenbrezeln mit nicht sehr fester Butter und die Hälfte eines Couscousgerichts, in Treegirls größerem Topf gekocht, dazu als Dessert Nüsse, und auch Käse, der hitzebedingt etwas in’s Schwimmen gekommen ist.

Mittelleckeres Abendessen

(Anmerkung zum Couscous: Ja, macht satt, und ja, man kann es essen. Aber unverfeinert ist es keine kulinarische Offenbarung, auch nicht nach dem hilflosen Versuch, das Ganze mit Curry aufzupeppen. Zuhause nehme ich mir die andere Hälfte vor, tue – wie auf der Packung angeraten –  frische Minze, Joghurt, Kreuzkümmel, Pfeffer, Olivenöl und Tomaten dazu und äh, naja, es schmeckt immer noch so, dass ich es nicht so schnell wieder brauche.)

Nach dem köstlichen Essen bauen wir unsere Lager auf, und benutzen den nahen Bach als Badezimmer (reinstellen und gezielt planschen). Beide wollen wir ein etwas weniger verkrustetes Gefühl auf der Haut haben und nicht in unseren verschwitzten Wandersachen schlafen.

Es sieht zwar nicht nach Regen oder Wind aus, aber wir haben die Tarps aufgebaut, und die Rucksäcke regensicher unter die Tarps gehängt / gestellt. Dann kommen noch die letzten typischen Nachtvorbereitungen (Handy an die Powerbank, Stirnlampe in Griffweite, Thermometer aufgehängt), während der Bauer in der Nähe auch nach Einbruch der Dämmerung immer noch herumfuhrwerkt (etwas später sagt ein eindeutiger Geruch nach Gülle, was er gemacht hat…). Ich stopfe mir die Ohren zu, damit ich nicht bei jedem Knacken und Rascheln hochschrecke und schlafe bis zum sehr frühen Morgen in der ersten Dämmerung durch, als ein Tier (Fuchs, Rehbock) bellt, danach drehe ich mich um, stopfe die Ohren erneut zu und schlafe bis 08:30Uhr. Für Treegirl war die Nacht weniger ruhig, aber auch viel interessanter. Sie hört in der Nacht  in unmittelbarer Nähe einige Wildschweine, die sich wohl neugierig umsehen wollen. Am nächsten Morgen entdecken wir eine frisch umgewühlte Stelle. Aber bei einigen leisen Geräuschen, die den nächtlichen Besuchern sagen, dass es nicht nur nach Mensch riecht, sondern die Menschen auch da sind, verdrücken sie sich sofort. Später, noch im Dunkeln, aber schon gegen Morgen, planscht irgendein Tier lautstark im Bach.

Hier unser Setup:

Am Donnerstag, 26.07.18 bauen wir langsam ab und gehen wieder an den Waldrand, um dort zu frühstücken. Bei Treegirl gibt es Müsli, bei mir Früchteriegel und Studentenfutter und – ganz wichtig – richtigen gebrühten Kaffee.

Frühstück!

Dann brechen wir langsam auf; im Tal der Ilz wieder angekommen, stoßen wir auf ein Wandererpaar, das ein Hirschkalb oder Rehkitz beobachten, das allein und gut sichtbar in einiger Entfernung zum Weg steht und offenbar auf seine Mutter wartet. Wir hoffen sehr, dass mit ihm alles in Ordnung ist.

Wir reißen uns los und wandern weiter bis zur Schrottenbaummühle, die auch einen Campingplatz betreibt, so dass wir hoffen, nach einer schönen Einkehrung die sanitären Anlagen des Campingplatzes zum Duschen benutzen zu können, und so ist es auch. Für je 3 Euro duschen wir, und waschen ein paar Dinge, die nun außen am Rucksack trocknen sollen.

Nach der Pause steuern wir wieder den Goldsteig an und wandern in schönster Umgebung  weiter (wenn auch nicht gerade ganz allein).

Inzwischen trübt sich das Wetter ein bisschen ein, aber wir bekommen davon im recht dicht bewaldeten Flusstal nicht viel mit. Am Nachmittag wollen wir uns wieder allmählich ein nettes Übernachtungsplätzchen suchen, und dieses Mal bleibe ich mit beiden Rucksäcken zurück, während sich Treegirl ein Wäldchen in einiger Entfernung ansehen will. Ich hätte es mir sparen sollen, genau in diesem Moment eine SMS mit dem Stand der Dinge nach Hause zu senden, denn kaum bin ich damit fertig, sehe ich bei  Hochsehen den plötzlich ziemlich dunkelgrauen Himmel.

Ich kann gerade noch das Tarp aus den Tiefen meines Rucksacks zerren, es zwischen 2 Bäume hängen und die Rucksäcke darunter stellen – zum Abspannen bleibt keine Zeit – dann regnet es in Sturzbächen. Ich stehe unter dem Tarp und halte es so gut es geht auseinander, damit weder die Rucksäcke noch ich allzu nass werden. Um mich herum höre ich eine ganze Weile nur den Regen, und die Welt schrumpft auf einen überschaubaren Radius. Dann lässt die Sintflut endlich nach, und Treegirl kommt zurück. Sie hat zwar in einiger Entfernung einen schönen Platz in einem Laubwald ohne zu viel Gestrüpp am Boden gefunden, leider aber in der Nähe eines Weges.

Am Himmel ist immer noch zu sehen, dass der Regen noch nicht ganz vorbei ist, und es grummelt.  Auf eine triefend nasse Umgebung , auf noch mehr Regen und vor allem Gewitter bei einer Übernachtung im Freien habe besonders ich wenig Lust, und nach einiger Überlegung gehen wir der Einfachheit halber zurück zur Schrottenbaummühle, denn dort haben wir immerhin die Option auf den Campingplatz, falls die Zimmer alle belegt sein sollten. Eine andere Übernachtungsmöglichkeit in unmittelbarer Nähe oder etwas weiter südlich können wir nicht nachfragen, denn wir haben beide keinen Handyempfang.

Als wir bei der Schrottenbaummühle eintreffen, haben wir Glück und bekommen noch ein Zimmer, auch ein leckeres Abendessen IM TROCKENEN ist noch drin, während draußen tatsächlich noch ein Gewitter sein Unwesen treibt. So gesehen, war es wohl die richtige Entscheidung – auch wenn es extrem schade ist, nicht noch einmal wie eigentlich geplant draußen zu übernachten.

Am nächsten Morgen ist mit dem Wetter alles wieder ok, als ob nichts gewesen wäre. Der Regen hat Pfützen hinterlassen und die Feuchtigkeit führt dazu, dass einige Weinbergschnecken auf dem Weg sind (ich sammle sie ein und setze sie in’s Gras am Wegrand) und kleine Kröten umherhüpfen. Hier so ein Miniexemplar, das ebenfalls vom Weg evakuiert wird.

Wir lassen uns Zeit und wandern langsam zurück. Am Nachmittag erreichen wir dann wieder den Ausgangspunkt, und Treegirl fährt mich netterweise noch bis Grafenau, von wo aus ich mit der idyllischen Waldbahn nach Frauenau fahren will. Eine letzte Einkehrung folgt noch als Abschluss..

…und Treegirl bekommt sogar die gewünschte Saftschorle, während ich mir ein schönes Hefeweizen reintue. Wir können auf knapp 3 richtig nette Tage zurück blicken, die Riesenspaß gemacht haben und unbedingt nach Wiederholung verlangen.