Ich reis(s)e aus

…und bin draußen

3 Wochen im Bayerischen Wald I

Immer wieder zieht es uns in den bayerischen Wald, und wieder ist es der zeitige Herbst, als Kai und ich in unseren herrlich langen (fast 3 Wochen) Urlaub starten. Nach über 10 Stunden anstrengender Fahrt kommen wir in Zenting im Hotel an, so dass wir dann wirklich urlaubsfällig sind.

Dieses Mal haben wir einen besonderen Auftakt vor uns: 2 Tage wandern mit 2 Eseln. Wir haben diese 2 tägige individuelle Tour schon vor einiger Zeit gebucht und sind sehr gespannt, wie wir zurecht kommen.

Am ersten Tag soll es vom Eselhof in Schöllnach aus wieder zum Hotel gehen, das für uns und die Esel jeweils artgerechte Unterbringung und Verpflegung bietet (Frühstück und Abendessen plus nettes Zimmer für die Einen, Stall, Wasser, Heu für die Anderen); und am 2. Eselwandertag wollen wir auf anderem Weg wieder zurück zum Eselhof wandern.

Am ersten Tag werden wir am Vormittag abgeholt und zum Eselhof gebracht, wo es eine etwa 1 1/2 stündige Einweisung gibt – die erforderlich und nützlich  ist -, dann geht es los mit Ludwig für Kai und Blume für mich.

Gegen Sturheit unserer neuen Freunde müssen wir an beiden Tagen nicht kämpfen. Aber sie sind immer – wirklich immer – hungrig und wollen ständig am Wegrand essen. Es kann anstrengend sein, über eine schöne grüne Wiese zu gehen, und die Tiere zum Weitergehen zu bewegen – dabei muss man schon mal liebevoll-deutlich sein.

Aber Esel sind ausgesprochen freundlich, geduldig und gar nicht schreckhaft. Ludwig ist ein älterer Herr mit einem Alter irgendwo zwischen 20 und 30 Jahren, Blume eine junge Dame mit 6 Jahren, und beide sind zusammen ein sehr einträchtiges Team.

Am ersten Tag gehen wir über den Aschenstein, durchaus kein reiner Promenadenweg . Ein wenig mühsam ist es bergauf, dann müssen unsere Begleiter ein bisschen zum Wandern ermuntert werden; aber wenn es bergab geht, fängt Ludwig, der alte Herr, plötzlich das Rennen an, auch wenn es sehr holprig und recht steil ist. Kai hat seine liebe Not, in demselben Tempo mit ihm ohne Stolpern bergab zu rennen, bis wir auf die Idee kommen, die Reihenfolge zu ändern: Ich gehe voraus, nach mir meine Blume, dann kommt Kai und zum Schluss Ludwig, dessen Gerenne wir auf diese Weise einfach blockieren.

Am nächsten Tag ist das Wetter grau-nass, und es regnet immer wieder ausgiebig. Wir misten den Stall aus, striegeln unsere beiden Begleiter, und los geht’s, dann eben wasserdicht eingepackt. Die Esel haben allerdings keinen Regenmantel…

Die Tour zurück zum Eselhof wird daher etwas kürzer, und wir treffen schon am frühen Nachmittag dort wieder ein. Die Trennung fällt uns eindeutig schwerer als den Eseln, die sich gleich wieder auf die Weide zu ihren Kumpels trollen. Dann gehen Kai und ich im mehr oder weniger starken Regen auf dem Goldsteig zurück nach Zenting in’s Hotel.

Unser Fazit: Esel sind sehr nette Begleiter und als Gesellschaft eine wirkliche Bereicherung. Man darf nur nicht erwarten, dass man so wie sonst wandern kann, denn die Aufmerksamkeit ist zu einem großen Anteil auf den Esel gerichtet. Auch das Tempo ist ein bisschen anders – und zum Entschleunigen genau richtig.  Es ist eine wunderbare Wandererfahrung, die ich liebend gern wiederholen würde, erst recht mit der Chance, dass ein Esel und ich uns über eine längere Dauer noch besser aufeinander einstellen.

„Meine“ Blume