Ich reis(s)e aus

…und bin draußen

19. und 20.06.18

m Dienstag, 19.06. sieht das Wetter immer noch nicht wirklich super aus, aber wanderbar. Ich will die Etappe 3 von Blankenberg nach Merten auf dem Natursteig gehen, mit 13,5 km keine Riesentour. In Blankenberg angekommen, sieht der Himmel recht dunkelgrau aus, und tatsächlich fängt es an, ganz fein zu nieseln.Ich erreiche bald die Burgruine Blankenberg und halte mich eine Weile im Bastionsturm auf, der besichtigt werden kann. Bald ist es wieder trocken von oben, und ich sehe mir das Modell der Burganlage mit Blindenschrift an

und verbringe eine ganze Weile im sehr hübsch und artenreich angelegten Kräutergarten, der von sehr vielen Bienen und Hummeln besucht wird.

Der Weg führt entlang der Stadtmauer, die den Ort noch immer umschließt. Dann geht es zunächst abwärts in ein dicht bewachsenes Bachtal, und weiter auf freie Wiesenflächen. Insgesamt ist diese Etappe mit ihrem häufigen Wechsel von Wald, Tal und Wiese nicht eintönig. Auch kurze Abschnitte auf kleinen Straßen sind dabei, aber diese sind so schnell passiert, dass sie überhaupt nicht stören. Kurz vor dem kleinen Ort Süchterscheid stehen direkt am Wegrand etliche Kirschbäume mit (ziemlich) reifen Kirschen, und ich stocke meinen Proviant auf. Bald danach geht es wieder in den Wald, und als ich dort um eine Kurve auf einen flachen Abhang zugehe, sehe ich etwa 50m vor mir ein Tier auf dem Weg auf mich zulaufen – nach einer Überraschungssekunde erkenne ich einen Feldhasen, der mich offenbar nicht als Mensch registriert. Wahrscheinlich steht der Wind günstig, so dass ich nicht zu wittern bin, und vielleicht können Hasen nicht so gut sehen. Ich bleibe jedenfalls bewegungslos stehen, und der Hase hopst bis auf ca. 2m an mich heran. Gern hätte ich ihn aus solcher Nähe fotografiert, aber ich scheue die dazu nötigen Bewegungen und Geräusche. Ich hätte den Hasen damit sehr erschreckt, und er wäre wohl panisch geflohen. Also genieße ich voller Entzücken diese seltene Begegnung, bis der Hase wieder gemächlich seitwärts direkt vor mir in den Wald hopst. Ich liebe solche Momente!

Auch auf dem nächsten Wiesenstück habe ich eine Tierbegegnung – oder vielmehr: Hunderte davon. Es liegt vermutlich an der drückenden, feuchten Witterung, dass die Insekten besonders lästig werden. Aber ich habe noch nicht erlebt, dass mich ein Schwarm – und ich meine einen richtig großen Schwarm – kleiner, zum Glück nicht stechender Fliegen verfolgt. Bein Umdrehen habe ich sofort einige der kleinen Biester im Auge, und in den Haaren verfangen sich Dutzende. Ich gebe Gas und sehe zu, dass ich in den Wald komme, und tatsächlich bin ich den Schwarm genau unter den ersten Bäumen schlagartig los. Hier ein Beweisfoto:

So gesehen bin ich froh, dass es auch später öfter durch Wald und immer wieder entlang von Bächen geht. Sogar einen Hängeplatz finde ich noch, mache dort aber nur kurz Pause, bis ich den Ort Merten erreiche und nach einem sehr interessanten Wandertag wieder nach Eitorf fahre.

Mittwoch, 20.06.18 wird ein sehr heißer Tag mit blau-weißem Himmel. Ich fahre nach Wissen, wo die 11. Etappe des Natursteig Sieg beginnt; es soll – mit Etappe 8 – eine der beiden schönsten Teilstrecken sein. Die auf dem Track ausgewiesene Zubringerroute zählt allerdings ganz sicher nicht dazu, sie führt entlang einer sehr dicht befahrenen Bundesstraße mit einer Menge Schwerlastverkehr. Auch ein kleinerer Tiertransporter mit Schweinen kommt vorbei; ganz still sind die Tiere auf dem Weg zu ihrem schrecklichen Ende im Schlachthof. Eine ganze Weile bin ich in Gedanken nicht beim Wandern -.

Bei Schloss Schönstein stoße ich dann auf den eigentlichen Weg, und es geht auf und ab durch den Wald, allerdings immer noch eine ganze Weile in der Nähe des Ortes. Wie am Tag vorher wechseln sich auch dieses Mal Wald- und Wiesenpassagen ab, auch durchaus mit einigen Höhenmetern. Nach einem einzeln stehenden Haus mit 2 kläffenden Hunden folgt eine steile Passage abwärts, die sogar teilweise mit einem Seil abgesichert ist. Zwischendurch mache ich Päuschen, leider nicht auf einer der schönen und bequemen Liegen, denn die stehen alle in der prallen Sonne, sondern auf einer einfachen Bank an der Rasselskaute mit schönem Ausblick.

Bald erreiche ich den Campingplatz im Eichwald bei Neuröttgen, bei dem ich einkehren will – dummerweise hat die Gastronomie aber noch nicht geöffnet, sondern erst mit Ferienbeginn. Als ich den Betreiber des Platzes treffe, bietet er mir aus seinem Vorrat etwas zu trinken an, und ich nehme gern an. Im Schatten sitzend kann ich warten, bis ich nicht mehr klitschnass geschwitzt bin, und ziehe dann weiter. Ich habe vor, mir bald ein schattiges Hängeplätzchen zu suchen, aber der Weg führt bald entlang eines Bachs und ist entweder zu leicht einzusehen, oder die Hänge sind zu steil. Ich finde jedenfalls nichts, und als ich an das Ufer der Sieg bei Osenbach komme, ist außerdem die nahe Bundesstraße sehr deutlich zu hören.

Es ist sehr heiß, und ich beschließe, es gut sein zu lassen, und fahre in einer zunächst sehr vollen Bahn wieder zurück nach Eitorf.

Es war eine schöne Tour, allerdings finde ich nicht, dass sie die Etappe von gestern besonders übertrifft. Fairerweise muss ich aber auch einräumen, dass mir noch rund 6km für ein vollständiges Bild fehlen.

Egal, beide Tage haben Spaß gemacht.