Ich reis(s)e aus

…und bin draußen

4 Tage in der Oberpfalz

2016-10-05-15-23-28

Auch in diesem Herbst habe ich mich noch zu einem kürzeren Wandertrip aufgemacht, dieses Mal in das nördliche Bayern, in die Oberpfalz/fränkische Alb. Wie immer hat es sich gelohnt, wieder habe ich schön abschalten können – und das, obwohl ich nicht gerade im Hängemattenwetter unterwegs war. Noch eine Woche vorher soll es dort bis zu 25°C warm gewesen sein, leider war dies bei meiner Ankunft am 02.10.16 gerade genau vorbei. Ich schätze, das Thermometer ist nicht wesentlich über 11-13° als Maximaltemperatur hinausgekommen, und ganz trocken war es nur an einem Tag. Und trotzdem hat es sich gelohnt, trotzdem bin ich zufrieden.

Die Anreise war wie die Rückfahrt ganz und gar unkompliziert, alle Anschlüsse haben gut funktioniert. Es gab sowieso ab Hamburg-Hbf nur ein einziges Umsteigen: vom ICE bis Nürnberg in den Regionalexpress bis Sulzbach-Rosenberg, und dort war ich bereits am Ausgangspunkt der Wandertage (die ganze Anreise dauert insgesamt nur rund 6 Stunden). Am ersten Tag hatte ich eine Rundwanderung um das Städtchen herum vor (Tag 1), danach in 3 Tagen quasi in einem Dreieck von Sulzbach-Rosenberg bis Neukirchen (Tag 2) – von dort nach Weigendorf (Tag 3) – und von Weigendorf wieder zurück nach Sulzbach-Rosenberg (Tag 4) auf anderem Weg. Es hat auch alles genau wie geplant geklappt, die Tracks waren gut ausgesucht, nach meinem Geschmack einschließlich ihrer Länge und der Höhenmeter.

Sulzbach-Rosenberg bei der Ankunft

Sulzbach-Rosenberg bei der Ankunft

Die Rundwanderung am 1. Tag (Feiertag 03.10.16) war ein einfacher Einstieg mit rund 12 km , durch das Naherholungsgebiet obere Wagensaß mit diversen hervorragend ausgeschilderten Rundwanderwegen. Wie immer waren in der Nähe des Ortes noch mehr Menschen unterwegs (Jogger, Hundegassigeher, Familienspaziergänger), mit etwas mehr Entfernung war ich dann wieder weitgehend allein. Es ging mit wenig Höhenmetern im Wesentlichen durch Laubmischwald, der nach einigem Regen überall nass und recht kühl war.

Am Anfang musste mein neues kleines Messerchen (ein neckknife (real steel 130A), quasi mit einer Klingenlänge wie ein Taschenmesser, nur feststehend, und, wie es sich gehört, am Bändsel um den Hals getragen) zeigen, was es kann, denn ich hatte keine Stöcke mit und habe ein Fundstück aus dem Wald entastet und geglättet. Ja, das geht, aber nach einiger Schnitz-Zeit strengt es an, und der rechte Daumen, der auf der geriffelten Auflage Druck auf die kleine Klinge ausüben muss, tut etwas weh. Dennoch hat es Spaß gemacht, und der Aufwand lohnt sich.

Am 04.10.16 ging es los zu meiner Streckenwanderung nach Neukirchen. Der Start war wie am Vortag im ganz feinen Nieselregen, der aber zum Glück so dünn war, dass ich nicht permanent die Kapuze aufsetzen musste. Dennoch hatte ich vorsichtshalber die Goretexjacke an, und auch die Regenhose war in Betrieb. Die Temperaturen waren niedrig genug, um nicht zu schwitzen. Den Anfang des Weges – ich folgte der Neukirchener Schlaufe des Erzwegs, der Hauptweg und seine „Schlaufen“ sind allesamt zertifiziert – hätte man sich bis zur Überquerung der B85 kurz hinter Seidersberg fast sparen können, es ging durch die „Vorstadt“ und an Äckern entlang. Aber möglicherweise hatte die freie Sicht über die umgepflügten Felder nur so richtig schön das miese Wetter verdeutlicht, und bei besserem Licht wäre auch dieser Abschnitt hübsch.

Bald ging es wieder in den Wald, und erneut suchte ich mir einen Ast vom Boden, den ich zu meinem Wanderstock zurechtstutzen wollte. Den Stock vom Vortag hatte ich beim Ausgangspunkt der Rundwege an das Wegweiserschild gelehnt, er war mir auf Dauer oben am Griff zu dünn. Der neue Stock hatte da ein ganz anderes Kaliber, und dieses Mal wollte ich ihn auch möglichst für die restlichen Tage behalten, denn die Schnitzerei strapaziert die Hand ziemlich.

Es blieb eine abwechslungsreiche Tour mit viel Laub- und Mischwald, immer wieder unterbrochen von Lichtungen und Feldern, im Großen und Ganzen parallel zur und nicht weit entfernt von der Bahnstrecke.

Etwa ab der Hälfte der Tour hätte Kai Sackmann sicher seine Freude an den vielen regengeschützten Felsüberhängen und Höhlen gehabt, etwa wie hier:

Die berühmteste Höhle ist die Geiskirche (–> Link).

Tatsächlich habe ich 2 Lagerfeuerstellen in der Geiskirche gesehen, und auch bei den anderen Höhlen kann ich mir gut vorstellen, dass es dort schon die eine oder andere Übernachtung  gegeben hat. Im Elbsandsteingebirge heißen solche extra ausgewiesenen Übernachtungsstellen „Boofen“ und dürfen traditionell von den Kletterern genutzt werden. Zu schade, dass es nicht noch Sommer und entsprechend warm war, und dass ich keine Übernachtungs- und Kochausrüstung dabei hatte – sonst wäre ich bestimmt sehr in Versuchung geraten, auch einmal schön geschützt unter / am Felsen zu schlafen.

Ein nettes Päuschen habe ich an einer Waldschänke eingelegt, die direkt an der Osterhöhle liegt. Öffnungszeiten sind leider nur am Wochenende, ich konnte also nicht einkehren, auch die Höhle war mit einem Seil zugehängt – aber ich habe es mir auf einem Stuhl unter dem Überhang des Hauses gemütlich gemacht. Es war still, sicher ganz, ganz anders, als am 30.10.16, wenn man vermutlich bayerische Volksmusik studieren kann:

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Danach ging es kurz durch den Ort Peilstein, wieder in den Wald und dort zu einer weiteren Höhle namens „Franzosenloch“,

Franzosenloch

Franzosenloch

und bald danach kam noch eine Bank, bei der ich die inzwischen typische Aufnahme mit dem Selbstauslöser schießen konnte.

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Dann waren es nur noch rund 1,5 km bis Neukirchen, wobei ich mit meinem  ziemlich auffälligen dicken Wanderstab wie Gandalf durch den größten Teil des Ortes gegangen bin. Egal. Das Hotel hatte zwar Ruhetag, aber wie telefonisch vereinbart, wartete der Schlüsssel in der Zeitungsrolle auf mich. Heute sparte ich auch das Essengehen, stattdessen hatte ich eingekauft und konnte mit hochgelegten Füßen meine interessante Zusammenstellung aus fertigem Kartoffelsalat, Käsewürfeln, Weintrauben, Brötchen und Sahnejoghurt genießen.

Mittwoch, der 05.10.16 sollte dann der einzige Tag werden, der ganz ohne Niederschlag auskam. Der Weg – es wurde eine Zusammenstellung aus 2 Wegen – führte schnell aus dem Ort hinaus. Vorher konnte man noch einiges aus der Geschichte studieren. Ich liebe solche kleinen Hinweissstationen, sie stecken voller Mühe und mit ein bisschen Fantasie werden die vorgestellten Informationen lebendig.

Nachgebauter Zugang zu einem kleinen Ockerbergwerk

Nachgebauter Zugang zu einem kleinen Ockerbergwerk

Der Abbau von Ocker war fast 100 Jahre lang ein florierendes Gewerbe, es gab Exporte des bekannten „Neukirchener“ Gelb bis nach Amerika. Erst mit dem Aufkommen synthetischer Farben wurde das Gewerbe nach und nach eingestellt.

Für mich ging es bald wieder in den Wald, wo ich eine ganze Weile auf einer Art Grat entlangging, links und rechts von mir ging es – allerdings nicht beängstigend steil, sondern eher moderat – ganz gut abwärts. Der Pfad – immer noch die Neukirchener Schlaufe des Erzwegs – führt hier durch schönen lichten Laubmischwald, der die Sonne durchlässt und helle Flecken malt.

So ging es weiter bis Schloss Neidstein (–> Link), dann am Rand durch den winzigen Ort Tabernackel bis Rupprechtstein, wo die Schlaufe endet und der Hauptweg des Erzwegs weiter führt. In dem kleinen Ort war jemand dabei, Steine zu verlegen, und pfiff dabei die Melodie Que sera, sera, das Liedchen aus den späten Fünfziger-Jahren, das Doris Day sehr, sehr oft und sehr, sehr eindringlich in einem oder mehrerer ihrer Filme gesungen hat. Ich konnte bestens mitpfeifen, und kurz kamen wir in’s Gespräch. Auch hier wurde deutlich, dass es immer noch ungewöhnlich ist, als Frau allein zu wandern – und tatsächlich muss ich sagen, dass auch ich selbst dies immer noch nicht allzu oft gesehen habe. Typischerweise ist Wandern eher eine Rudel- oder paarweise Tätigkeit, und wenn jemand doch mal allein geht, handelt es sich mit einiger Wahrscheinlichkeit um einen Mann.

Nach dem kleinen Ort konnte ich den Vorplatz einer Sägestelle mit einem sonnigen Fleckchen zum Pausemachen nutzen. Schnell zog es sich aber wieder zu und sofort wurde es kühl, also ging’s für mich weiter. Bald kam ich nach Etzelwang, ein bilderbuch-hübscher kleiner Ort, selbst die neuen Häuser am Rand gefielen mir. In Sulzbach-Rosenberg, in Neukirchen, und auch hier war in der Mitte des Ortes ein schöner Platz angelegt, mit einem Brunnen. Dieser in Etzelwang gefiel mir besonders:

Nach dem liebevoll gestalteten Platz kam der kleine Bahnhof, dann ging es wieder in die Natur, einen Hügel hoch. Dort sahen mich plötzlich einige Rehe kommen, und suchten elegant das Weite – so schade, dass ich sie mir nicht näher ansehen oder noch fotografieren konnte.

Dann kam ein kleiner Skilift – jetzt eine einsame Angelegenheit mit ein paar Holzhütten – und ein weiterer schöner Buchenwald. Bald erreichte ich Oed und – fast nahtlos anschließend – Weigendorf mit meiner nächsten Etappenzielpension.

Leider sollte die Wetterprognose Recht behalten, und am Donnerstag, 06.10.16 hat es wie versprochen fast die ganze Zeit über genieselt. Zum Glück manchmal aber so dünn, dass ich zumindest im Wald die raschelnde Kapuze abnehmen konnte. Da es kein so schöner und sonniger Tag werden sollte, entschied ich mich gegen die rund 20 km auf dem Erzweg von Weigendorf nach Sulzbach und ging stattdessen auf der Högener Schlaufe (16 km). Eine hübsche Strecke, wieder sehr abwechslungsreich, und selbst im trüben Licht mit den tief hängenden Wolken war zu erkennen, dass dies unter besseren Bedingungen eine echte Genießertour sein würde.

Lamas in Haunritz

Lama in Haunritz

Einen der schönsten Rastplätze, die ich je gesehen habe – mit Kneippen im Bach, 2 Liegen, 1 Schaukel und zusätzlichen Tischen mit Bänken – gab es in Högen:

Im Sommer sicher eine Wanderer-Oase

Im Sommer sicher eine Wanderer-Oase

Leider war alles so nass und die Temperaturen mit rund 7-8 °C so wenig einladend, dass es nur bei einem Foto blieb. Nach Högen ging es eine kleine Weile ganz gut bergauf, ich kam in’s Schwitzen und als der Regen nachließ, machte ich doch ein Päuschen. Wegen der Kälte zog ich statt der Goretex-Jacke  eine wattierte Jacke an; ich konnte kaum glauben, wie nass (mit dicken, herunter laufenden Tropfen!) die Innenseite der Regenjacke war – unter high-end- super-Atmungsaktivität habe ich mir eigentlich etwas anderes vorgestellt. Dieses Ding würde mich nur weiter auskühlen und die übrigen Sachen auch auch noch richtig durchfeuchten, ich ließ die tolle Goretexjacke für die zweite Hälfte der Tour einfach weg. Nach Högen kam ich noch durch 2 weitere sehr kleine Dörfchen, und im 2. (Bachetsfeld) nahm ich mir von einem direkt am Wegrand stehenden kleinen Bäumchen einen kleinen, rotbackigen Apfel – und ich muss sagen, ich habe selten einen so leckeren gegessen. Ich ärgerte mich, nicht noch gleich ein paar mitgenommen zu haben, und leider weiß ich auch nicht, welche Sorte dies war. Sonst könnten wir ja hier im Garten auch solch ein Bäumchen pflanzen.

So ein nettes Tiergesicht sagt mir immer wieder, warum ich Vegetarierin bin

So ein nettes Tiergesicht sagt mir immer wieder, warum ich Vegetarierin bin

Rund 1 km nach Bachetsfeld ging es wieder in den Wald, dessen östliche Hälfte (Obere Wagensaß) ich schon vom ersten Wandertag mit der Tagestour um Sulzbach-Rosenberg kannte.

Friedliche Nutzung eines Hochsitzes für eine Pause

Friedliche Nutzung eines Hochsitzes für eine Pause

Und bald ging es wieder über den Acker Richtung Städtchen, und am Rand stellte ich nun auch den 2. Wanderstock an das Wegweiserschild

zurück gelassenene Wanderstöcke

zurück gelassene Wanderstöcke

und musste mich von meinen 4 Wandertagen mit einem tiefen Seufzen lösen.

Ich kann mir aber gut vorstellen, dass ich nicht das letzte Mal in diesem Eckchen zum Wandern war. Es ist hübsch, nicht zu anstrengend und gut zu erreichen. Wer weiß, vielleicht komme ich das nächste Mal mit Hängematte vorbei….