Ich reis(s)e aus

…und bin draußen

16. und 17.07.18

Am Montag, 16.07.18 ist wieder wie an den Vortagen Hitze angekündigt, zusammen mit lokalen Unwetterwarnungen. Am Morgen ist davon nicht viel zu sehen, und vom Regen in der vergangenen Nacht zeugt nur die eine oder andere Pfütze und ein feuchterer Waldboden.Dernbach liegt wie die meisten Orte natürlich im Tal, und wenn man nicht zufällig im Tal weiter gehen möchte, kommen gleich zu Beginn Höhenmeter.

Dernbach im puren Sommer

Inzwischen habe ich festgestellt, dass ich schon wieder meinen Gandalf-Birkenstock vergessen habe, und zum Zurückgehen ist es schon zu spät. Ich schwitze sofort in der Wärme, und zwar so sehr, dass ich mir permanent das Gesicht abwischen muss. Sogar die Haare tropfen. Also mache ich bei der Landauer Hütte Halt und trinke eine größere Menge; hier laufen etliche Wege zusammen, und in der Hütte selbst ist sogar Betrieb, aber für eine Einkehrung ist es definitiv zu früh. Ein Mann kommt vorbei, mit einer seltsam geformten Last, die ihm im Nacken liegt und über beide Schultern reicht. Das Bündel ist aus festem Stoff, vielleicht so 1,50m lang, aber nicht allzu dick. Ich hoffe, dass ich nicht gerade Zeuge werde, wie jemand ein gejagtes totes Tier vorbei trägt. Kurz darauf höre ich von der Hütte so etwas wie Jagdhornblasen, und dies würde natürlich passen. Ich breche bald auf und gehe unmittlbar an der Hütte vorbei – und dort steht der Mann und spielt Alphorn. Das war also das Bündel, und ich lerne, dass ich wohl vorschnell mit meinem negativen Gedanken war.

Auch heute bezieht es sich, und es grummelt in einiger Entfernung. So gesehen bin ich ganz froh, wieder sehr früh in meinem Hotel anzukommen, das zu einem der vielen Weingüter der Gegend gehört. Mein Zimmer ist super, groß, Balkon zur Rheinebene nach Osten, und es hat eine Minibar mit einer kleinen, gekühlten Auswahl der Weine direkt vom Erzeuger, einen Safe und sogar eine Insektengittertür. Wunderbar! Ich genieße den Nachmittag barfuß und im Hemd. Am Abend gehe ich nach einem kurzen, nicht ernst zu nehmenden Schauer Essen, was allerdings ein bisschen schwierig ist, denn hier in Burrweiler hat nur ein Restaurant geöffnet. Ich werde zu einem Ehepaar an den Tisch gesetzt, denn es gibt keine freien Tische mehr. Wieder zu gehen ist keine Option, denn ich habe Hunger und nichts sonst zu essen. Das Ehepaar hält das Höflichkeitsprotokoll ein und hat nichts dagegen; aber es kommt kein Gespräch zustande, und so gehe ich bald wieder. Draußen hat sich das Wetter beruhigt, es ist wieder ein warmer, freundlicher Sommerabend fast ohne Wolken. Ich schlendere zurück trinke meinen Blanc de Noir Spätlese feinherb

und schlafe später gut.

Am Dienstag, 17.07.18 setzt sich die lange Reihe heißer, sonniger Tage fort. Ich beschließe, noch einen Tag hier in Burrweiler anzuhängen und unternehme nur eine kleine Rundtour um den Ort mit leichtem Gepäck. Ich komme auch an der St. Anna Kapelle vorbei, und erfahre, dass heute einer von mehreren Wallfahrtstagen im Jahr ist. Die Veranstaltung ist aber schon vorbei, und so kann ich keinen Blick in die hübsche Kirche werfen. Als ich etwas später aus dem Wald komme, ist es wieder dunkelgrau, die Wolken tümen sich hoch auf.

Das muss mich nicht weiter stören, denn ich habe es nicht mehr weit. Und später hole ich mir dann Zutaten für ein wunderbares Abendbrot aus dem einzigen Lebensmittelladen; der Inhaber ist leidenschaftlicher Käsespezialist und so genieße ich 2 exzellente Käsearten, exzellenten Wein, Brot und Weintrauben.