Ich reis(s)e aus

…und bin draußen

11.und 12.05.19

Tatsächlich herrscht am Freitag, 11.05.18 wieder freundliches Wetter. Ich genieße mein Frühstück in dem großen Gastraum des alten Gasthofs/Hotel und bewundere die vielen antiken Uhren der unterschiedlichsten Art, die hier jemand leidenschaftlich gesammelt haben muss. In einigem Abstand – jede Uhr nach ihrer eigenen Zeit – melden alle, dass es 9 Uhr sei. Die große Standuhr direkt neben mir lässt ihren schönen, nachhallenden Gong um 11 Minuten nach 9 Uhr hören und ist damit eine der letzten (man kann unschwer erkennen, dass ich nicht gerade schon mitten in der Nacht aufgestanden bin).

Heute soll es rund 17km bis Staufen gehen; da ich dort aber keine Unterkunft bekommen habe und mich hier in den dicht bewirtschafteten Weinhängen auch nicht zu einer Übernachtung unter freiem Himmel entschließen konnte, habe ich in dem gut mit der lokalen Bahn erreichbaren Nachbarort Bad Krozingen etwas gebucht. Der Weg führt heute wieder im Wesentlichen durch Weinberge, und nun sehe ich auch diverse andere Wandergrüppchen und auch Radfahrer; fast wird es mir etwas zu voll.

Ein Pausenhighlight ist sicher diese Hütte, die nicht nur dem müden Körper, sondern auch dem Geist Erholung bietet:

Es ist ein unsortiertes, vielfältiges Sammelsurium unterschiedlichster Bücher, das hier einfach so angeboten wird.

Eine Weile blättere ich in einem Kinderbuch, dann wuchte ich mein Rucksackmonster wieder auf den Rücken und gehe weiter. Im Laufe des Nachmittags ist es wieder recht heiß geworden und allmählich tun die geschwollenen Füße an etlichen Stellen weh. Endlich erreiche ich Staufen, und obwohl ich sogar eine dichter am Weg liegende Bahnstation nutzen kann, sind es dann doch 19km, die ich als vollkommen ausreichend empfinde.

Ich beschließe, gleich einige Nächte in Bad Krozingen zu bleiben; es hat den Vorteil, dass ich wegen der guten Verkehrsanbindung die nächsten Touren und auch den Stadtbummel in Freiburg von hier und ohne Gepäck unternehmen kann.

So starte ich am Samstag, 12.05.18 mit leichtem Rucksack, fahre Richtung Schallstatt – aber nur bis Norsingen, damit die Etappe überschaubar bleibt – und gehe bei bestem Wetter wieder nur im Trägerhemd erneut in die Reben. Kurz vor Ehrenstetten treffe ich auf 3 junge Wanderer, die im Schatten auf dem Boden lagern und davon berichten, dass sie gerade ihrer kleinen Tradition nachgehen: 24 Stunden wandern, und zwar im Anzug mit weißem korrekten Hemd, mit Krawatte und Hut. Gestartet waren sie am Abend vorher. Witzige Idee…

Ich komme bald nach Ehrenstetten und kehre bei einem Bäcker ein, der Sonnenschirme auf der Terrasse zum Bach hin aufgebaut hat. Ich liebe solche kleinen unerwarteten Päuschen und genieße sie sehr. Danach kommen auch nicht mehr viele Wege dieser Art

…von denen ich nun, am 6. Tag auf dem Wiiwegli, auch zugegebenermaßen genug habe: Asphalt, grober Schotter, feiner Schotter, Schotter auf Sand, und die Königsklasse Schotter auf Aspalt. Für den Rest der Tour wird es allerdings netter, denn es geht zunächst durch Wiesen und dann eine ganze Weile durch Wald, den ich prompt auch für eine schöne Siesta in der Hängematte nutzen kann. Herrlich!

Gegen Ende komme ich noch recht nah an der Burgruine Staufen vorbei, und damit habe ich die Wanderung auf dem Wiiwegli auch beendet.