Ich reis(s)e aus

…und bin draußen

25.06.19

Am Montag, 25.06.18 hat sich das Wetter so weit beruhigt, dass es zwar zunächst bedeckt, aber trocken aussieht. Nach ein paar anfänglichen Schwierigkeiten (Bus kommt nicht) fahre ich auf andere Weise und später als geplant mit den Öffis zum Startpunkt des Malerwegs in der Nähe von Pirna. Bei der Anfahrt gefällt mir, dass ich am Anfang statt eines Busses eine Fähre nutzen kann, so komme ich zu einer kleinen Bootsfahrt auf der Elbe.Der Start der Etappe 1 liegt am Eingang des Liebethaler Grunds, eine lang gezogene Passage direkt neben der Wesenitz, einem Bach, der in seinem tief eingeschnittenen, schmalen Tal fließt. Rundherum sind beachtliche Felsen, es rauscht, die Vögel singen, der Weg ist ohne Höhenmeter – ein wunderbarer Auftakt.

Als die Wesenitz über ein paar Steine rauscht, sehe ich eine Wasseramsel; typisch das ständige Knicksen, das ich bisher nur aus Tierfilmen kannte. Tatsächlich zeigt der Vogel, dass er auch im Wasser zuhause ist, und taucht in den Bach ein. Durch mein kleines Fernglas kann ich ihn wieder auftauchen sehen, nun mit irgend etwas Hellem im Schnabel. Am Ufer schwenkt er das helle etwas noch ein par Mal im Wasser hin und her (zum Waschen?) und fliegt dann leider weg. Ich glaube, das war wahrhaftig eine Begegnung mit Seltenheitswert.

Bald darauf kommt schon die nächste optische und akustische Begegnung ganz anderer Art, denn ich erreiche das Wagnerdenkmal. Man kann dort „Wagner wagen“ und das Prelude zu Lohengrin abspielen lassen; der Standort für das Denkmal hier wurde gewählt, weil Wagner bei einem Aufenthalt in der Nähe die ersten Ideen für den Lohengrin gehabt haben soll. Ich wage Wagner und genieße die Musik vor dieser Kulisse sehr, und finde die Idee wunderbar.  Bald danach verlässt der Weg das Bachtal, und es folgt eine Passage durch ein Dorf und durch Felder und Wiesen. Wegen Bauarbeiten muss ich eine Umleitung gehen, leider entlang einer kleinen Straße, die aber nicht allzu dicht befahren ist – und das Beste ist,

ich kann mir hier den Bauch mit schönen, reifen Kirschen füllen und auch noch welche mitnehmen. Am Straßenrand steht ein Kirschbaum neben dem anderen, einige davon schon recht alt, und sie dürften auch Namengeber dieser Straße „Kirschallee“ gewesen sein. Niemand sonst scheint die Kirschen ernten zu wollen, und mir tut es immer Leid, zu sehen, wie wenig solche Früchte geschätzt werden und einfach verkommen.

Als ich die Straße nach rechts verlasse, folgt erst ein Stück über Wiesen, dann am Waldrand entlang, und schließlich in den Wald, wieder hinunter zur Wesenitz. Der Wald ist übrigens die ganze Zeit über schöner Mischwald, mit Heidelbeersträuchern oder Gras zu seinen Füßen. Dann geht es eine Weile über Wiesen, die offenbar noch nicht gemäht wurden, und in den Ort Lohmen. Danach fängt der Nationalpark sächsische Schweiz an, und tatsächlich wirkt der Wald ab hier schon ganz anders als ein Wirtschaftswald. In der dann folgenden Lohmener Klamm und im Uttewalder Grund hat die Natur ganze Arbeit geleistet und bietet ein phantastisches Bild nach dem anderen.

Hier hätten gut die Hobbit- oder Herr-der-Ringe-Filme gedreht werden können. Ich staune und lasse mir Zeit, um diese ungewöhnliche Schönheit auf mich wirken zu lassen. Dennoch muss ich aufpassen, dass ich nicht auf eine der zahllosen Minikröten trete, die in diesem für sie idealen feucht-kühlen Mikroklima überall herumhüpfen.

Hier noch einige weitere Eindrücke:Schließlich erreiche ich Stadt Wehlen, gerade als die Kirchenglocken 18:00 Uhr schlagen; irgendwie scheint mir das ganz passend zum Abschluss eines Wandertages. Das kleine Städtchen scheint im Übrigen sehr hübsch zu sein.

So komme ich nach einem der besten Wandertage, die ich je erlebt habe, erfüllt mit wunderbaren Eindrücken wieder zurück.