Ich reis(s)e aus

…und bin draußen

In der Eifel und an der Mosel

Ende Juni geht es endlich wieder los. Nachdem es wochenlang für den 1. Sommermonat  eindeutig zu grau und kalt gewesen war, komme ich am Sonntag 28.06.15 in Bad Bertrich an, nun plötzlich doch bei schönsten Wetter.

Am Römerkessel

Am Römerkessel

Die Hinfahrt ist nicht ganz unkompliziert, denn der IC bis Koblenz hat reichlich Verspätung und verursacht Stress bei der Frage, ob der Anschlusszug noch zu erreichen sein würde; dies klappt zwar (auch der Regionalzug hat Verspätung, wie praktisch), aber dann muss ich feststellen, dass in Bullay der von bahn.de angegebene Bus nach Bad Bertrich zu der angegebenen Zeit weder am Sonntag noch an anderen Wochentagen fährt. Also geht es nur mit dem Taxi (für 18 nicht geplante €) weiter.

Bad Bertrich stellt sich als hübscher, überschaubarer Kurort mit schönen alten Häusern heraus.

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Kurgarten / Hotel Fürstenhof

2015-06-30 19.44.07

„Mainstreet“ / Kurfürstenstraße

Am Montag, 29.06.15 starte ich bei Temperaturen bis etwa 28°C zu meiner ersten von 2 geplanten Rundwanderungen um den Ort. Beschreibungen zu beiden Touren gibt es hier, auf diese Quelle bin ich gekommen wegen eines Tipps bei WandernBonn.de .

Die Tour kürze ich an einigen Stellen , denn sie ist als Auftakt und bei der Hitze ein bisschen zu lang. Hübsch sind die Maischquelle (leckeres Wasser, direkt trinkbar), die Steinzeithöhlen und der dann folgende Abschnitt.

Zum Schluss hin lasse ich nach einigem Zögern doch Antoniusruh und die Entersburg weg, es ist schon recht spät und die bis dahin schon 800 Höhenmeter fordern mich. Was mich aber wirklich abhält, sind die bohrenden Kopfschmerzen, die mich seit dem Vormittag treu begleiten und trotz der 2 in einigem Abstand genommenen Tabletten hartnäckig bleiben. Schön ist eine Rast auf der Wiese bei der Brücke über den Ueßbach, wo ich die Alumatte im Schatten ausrolle, den Rucksack als Kopfkissen benutze, mich ausstrecke und tatsächlich sofort für eine 1/2 Stunde eindöse.

Nach diesem Päuschen fülle ich eine leere Flasche vorsichtshalber noch mit Ueßbachwasser auf (zum Abspülen, nicht zum Trinken) und breche wieder auf. Längere Zeit geht es parallel zum Bach, und an einer Stelle entdecke ich ein Reh, das am gegenüber liegenden Ufer zum Trinken kommen will. Eine kurze Weile sehen wir uns an, dann verschwindet es in eleganten Sprüngen durch das dichte Gestrüpp.

Am Ende der Tour habe ich 2 Liter Wasser getrunken. Selbst die dick gepolsterten Gurte des Rucksacks sind durchtränkt mit ehrlichem Wanderschweiß. In der Nähe der Elfengrotte, dann schon wieder dicht an Bad Bertrich, renoviere ich mich mit Bordmitteln so gut es geht.

Als ich nach 22,5 km im Ort auflaufe, kehre ich gleich ein (im Parkhotel, sehr zu empfehlen) und fülle mühelos 2 Radler (= weitere 600ml) ein; die leckeren Nudeln und vor allem der Espresso schaffen dann das, was die beiden Tabletten nicht schaffen konnten: Klarer, schmerzfreier Kopf.

Fazit: Die Tour kann ich wirklich empfehlen, sie ist abwechslungsreich und (zumindest an diesem Montag) herrlich leer.

Am Dienstag, 30.06.15 mache ich mich auf zu einer wesentlich kürzeren Tour; die Temperaturen sind weiter gestiegen und erreichen heute deutlich über 30 °C. Das alles bei herrlichem, absolut unbewölktem Sonnenschein. Diese kleinere Wanderung mit ca. 11,5 km ist recht unspektakulär und erholsam, leider öfter in Hörweite einer Landstraße. Auch heute komme ich wieder an der Maischquelle vorbei, aber auf etwas anderem Weg. Dort mache ich Päuschen, trinke, so viel es geht und tanke meine Flaschen wegen der Hitze komplett auf. Vor dem Ort Kennfus biegt der Weg ab und taucht in einen sehr einsamen Waldabschnitt ein, der ganz offenkundig nur selten begangen wird.

Dies ist wohl kein Hauptwanderweg

Dies ist wohl kein Hauptwanderweg

Nichts ist zu hören, kein Mensch zu sehen – wie am Vortag bei einer Pause in einem Hochsitz könnte man auch hier stellenweise das Gefühl haben, man sei allein auf der Welt. Ich finde so etwas nicht unheimlich, ich bin eher sehr aufmerksam (sozusagen mit geschärften Augen und Ohren), z.B. um nicht plötzlich auf überraschte Wildschweine zu stoßen. Dann stößt der Pfad wieder auf einen Wanderweg, der durch einen Wald mit jungen Eichen in einem Bogen wieder nach Bad Bertrich führt.

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Licht am Ende des Tunnels

Dort mache ich einen Abstecher, um mir den landschaftstherapeutisch angelegten Park „Römerkessel“ anzusehen (Informationen hier) . Möglicherweise ist es der falsche Moment, die falsche Stimmung – auf jeden Fall gelingt ist es mir nicht so recht, die beabsichtigten Assoziationen und die viele Mühe, die diese Anlage bestimmt gekostet hat, richtig zu würdigen. Ich schaffe es nicht, mir die Gesteinsbrocken im Lavagarten – die ja tatsächlich aus früher aktiven Vulkanen der Gegend stammen – als glühenden Strom vorzustellen, oder die Besonderheit im Garten der Stille zu entdecken – für mich ist es eine große Wiese mit Bäumen darauf und einem Weg drum herum. Vielleicht hatte auch nur meine Phantasie Urlaub und war nicht da.

Am Mittwoch, 01.07.15 mache ich mich mit den Öffis auf, um nach 4 Jahren erneut ein Teilstück des Eifelsteigs zu gehen. Ursprünglich hatte ich vor, entgegen der üblichen Richtung von Manderscheid nach Daun zu gehen. Da diese Etappe mit 23 km recht lang ist, ich zusätzlich noch Zeit für die Anreise einplanen muss und heute wieder 33 °C erreicht werden sollen, entschließe ich mich, diese Etappe abzukürzen. Es tut ein bisschen weh, aber es funktioniert wegen der Lage der Busstationen nur, wenn ich fast die Hälfte weglasse. So fahre ich bis Üdersdorf und gehe auf einem Zubringerweg bis zum Steig; es ist bereits sehr heiß und ich nehme die nächste Bank als Gelegenheit, um zu trinken, mich etwas abzuspülen und mit Insektenabwehrmittel einzusprühen.

Bei der Strecke kommt mir tatsächlich noch einiges bekannt vor, zunächst die Üdersdorfer Mühle (gerade geschlossen), dann nach einigen km bei der Altburg in der Nähe der Sternwarte eine Rastbank, die mir sehr willkommen ist. Mir ist leicht schwach (Unterzuckerung, vermute ich), und ich tue mir erst einmal Traubenzucker rein, dann Kekse (die gute alte Prinzenrolle, immer wieder lecker) und schließlich Studentenfutter. Die ganze Zeit stören mich wilde Phantasien von riesigen Hamburgern (und das, obwohl ich seit nunmehr 23 Jahren kein Fleisch mehr esse!!) und Nudelbergen, die mir unverlangt durch den Kopf wandern, bis ich einigermaßen satt bin. Weiter geht es nach Schalkenmehren, immer noch der nette Urlaubsort, wie ich ihn in Erinnerung habe. Dort kehre ich nochmal für ein Radler und ein Stück Kuchen ein, bevor es an den 3 Maaren entlang weitergeht, zunächst am Schalkenmehrener Maar, dann am Südufer des Weinfelder Maares. Oben auf einer Anhöhe begegne ich einer Eselsfamilie, die es sich im Schatten unter einem Baum bequem gemacht hat und nicht scheu ist.

Nach ein paar Fotos reiße ich mich los, um beim Dronketurm die Hollywoodschaukel mit Luxusblick auf die Eifel im Allgemeinen und das Gemündener Maar im Besonderen wieder zu entdecken, und nach einigem Schaukeln mache ich mich auf den Weg, der erst einmal nur abwärts führt.

Nun ist die Zivilisation wieder ganz nah; am Gemündener Maar ist Badebetrieb, und noch immer ist es ein herrlich altmodisches Naturfreibad ohne künstlichen Schnickschnack. Ich komme auch am ebenso schönen altmodischen Café Waldblick vorbei, und wenn die Einkehrung in Schalkenmehren nicht erst rund 1 Stunde her gewesen wäre, würde ich hier gern eine Rast einlegen.

Dann kommt der Kurpark von Daun, und – wieder eine Erinnerung, die mit einem „ach, ja“ auftaucht – der Planetenpfad mit vielen Erläuterungen zu allen Planeten unseres Sonnensystems. Auch fallen mir schöne, fest installierte Liegebänke auf, die einladend im Schatten am Ufer der Lieser stehen. Noch immer ist es mittlerweile so um 18:00 Uhr sehr warm, und noch immer bin ich nur im Top unterwegs. Für mich geht es nun nochmal richtig hoch, bis ich das Hotel Panorama mit dem gebuchten Zimmer erreiche. Dort werde ich nicht enttäuscht, und ich bin froh, dass ich 2 Nächte gebucht habe.

Am Donnerstag, 02.07.15 wird es 35° C  heiß, und ich lasse es ruhig angehen. Ich hatte vor, um Daun herum eine Abwandlung des Vulkangipfel-Pfad – eigentlich eine 2-Tages-Tour – zu gehen; ich entscheide mich dann doch dagegen und gehe eine kürzere Runde um Daun herum, über Pützborn und Gemünden.

Am Nachmittag will ich es mir im Kurpark auf einer der Liegebänke gemütlich machen – und das tue ich einfach auch und fühle mich an ferne Zeiten erinnert, wenn ich mal nach der Schule oder Berufsschule (manchmal auch in verlängerten Freistunden…) im Stadtpark halbe Tage inmitten der Blumen oder auf einer der weiten Wiesen mit einem Buch in einem der typischen schweren weißen  Holzsessel verbracht habe. Es ist so heiß, dass ich trotz der nur etwa 7,5 gewanderten km nicht das Gefühl habe, viel zu verpassen.

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In Socken im Kurpark – kostenlose Luxus-Wellness

Am Abend gehe ich nicht essen, sondern kaufe etwas ein – auch Proviant für morgen –  und mache es mir mit meiner Abendbrot-Beute auf dem Balkon gemütlich. Um 22:30 gibt es dazu als Untermalung ein kleines Gewitter, das nicht ganz ernst zu nehmen ist und nur wenig Regen bringt. In der Nacht lasse ich die Tür auf, damit der Duft des frischen Heus von der Wiese draußen direkt in mein Zimmer kommen kann und schlafe trotz der Hitze gut.

Am Freitag, 03.07.15 geht es zunächst mit den Öffis an die Mosel, von Daun aus also mit dem Bus, dann weiter mit dem Zug an der Mosel entlang bis Hatzenport. Ich hatte vor, eine ganze Etappe des Moselsteigs zu gehen, von Moselkern bis Löf zum nächsten Hotel. Aber wieder werden es 35°C, und ich möchte bei solchen Temperaturen lieber nicht zu lange in den schön nach Süden ausgerichteten Weinhängen in der Sonne unterwegs sein. Also lasse ich es lieber bei der Hälfte bewenden und gehe nur von Hatzenport aus bis Löf, zumindest davon führt der letzte Teil weg von der Mosel, in einem Bogen nach Löf durch Wald. Vom Bahnhof in Hatzenport geht es gleich richtig steil hoch in die glühenden Weinberge, und der Wegeanspruch erinnert mit dem trockenen, steinigen Untergrund und einigen (erforderlichen!) Seilsicherungen durchaus an den lykischen Weg, auch der mitunter schwierige Halt auf Felsen mit Rollsteinchen. Ärgerlich ist, dass der auf der Karte eingezeichnete Laubwald kein solcher ist, sondern nur Gesträuch und Gestrüpp, das gar keinen Schatten gibt. Aber hübsch ist es doch hier, und die Flora muss sich hier einiges einfallen lassen, um in den Weinbergen mit bestimmt ziemlich extremen Witterungsbedingungen klarzukommen.

Der Moselsteig ist als neu zertifizierter Weg natürlich gut ausgeschildert, zugleich mit einem Traumpfad, der hier größtenteils parallel verläuft. Allzu oft muss ich nicht auf den Wandernavi sehen. Schön ist eine Rast kurze Zeit später in einer Hütte – also mit Schatten – und einem Luxusblick auf den Fluss und die Weinhänge.

Dann führt der Weg bald weg vom Fluss und führt in einem Bogen erst über freie Felder (mit Sahara-Temperaturen), dann über einen endlich schattigen Wald wieder Richtung Mosel und Löf zurück. Im Wald muss das Insektenabwehrspray wirklich zeigen, was es kann, um die gefühlt 3-stellige Zahl von Fliegeviechern um mich herum auf Abstand zu halten. Alles, wirklich alles ist durchgeweicht, selbst die doppelte Stofflage an den Knien, das T-Shirt  ist zum Auswringen nass (dagegen kommt dann auch Merinowolle mit seinen schönen Klimaausgleichsqualitäten nicht mehr an) und ganz zu schweigen von dem heißen bis explosiven Gefühl, das die Stiefel vermitteln. Immerhin kommt nicht auch noch Anstrengungsschweiß hinzu, denn der Weg führt nun auf einem Kreuzweg bergab und entlässt mich dann in den Ort (Löf), der still und heiß daliegt. Am anderen Ende ist das Hotel, und dort angekommen, dusche ich erst einmal alles (einschließlich der Salzkrusten) ab, und mache ein paar Züge im Schwimmbad. Viel Hunger habe ich nicht, aber dennoch gehe ich zum gebuchten Halbpensions-Abendessen; Restaurant und auch das Hotel sind überraschend gut ausgebucht, und so ist es wohl auch zu erklären, dass ich nur noch ein bestimmt nicht so beliebtes Zimmer bekommen habe, mit einem tollen Blick auf den unmittelbar davor auf gleicher Höhe liegenden Riesenparkplatz und einer Terrasse, die quasi nackt ist und auch für die nebenliegenden Zimmer gedacht ist (Tisch + jeweils 2 Stühlchen stehen im Abstand von vielleicht 3 m). Nein, das gefällt mir nicht so richtig, und ich beschließe, morgen um ein anderes Zimmer zu bitten.

Am Samstag, 04.07.15 steht eigentlich die größere Runde um Burg Eltz mit längerem Zuweg auf dem Programm. Das erscheint mir auch angesichts der Erfahrung gestern als zuviel, zumal auch dieser Weg längere Zeit schattenlos sein würde, und Abkürzungen auf der Karte schwierig erscheinen. Also muss Plan B her, und ich entdecke in der Hotelmappe die Beschreibung einer „Halbtageswanderung“. Es stellt sich heraus, dass dies falsch oder zumindest veraltet ist, denn den angegebenen Bus für die Fahrt zum Startpunkt gibt es schon längst nicht mehr. Offenbar ist bisher kein Mensch diesem Wandervorschlag gefolgt. Plan C lautet dann ganz anders, ist aber immerhin ebenfalls mit einer Burgbesichtigung verbunden: Ich fahre nach Cochem und besichtige mit einer sehr interessanten Führung die Reichsburg. Ich hätte gern noch mehr davon gehabt, die 30-40 Minuten waren schnell vorbei.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

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Dann bummle ich noch etwas durch das Städtchen, kaufe – ganz die Touristin – etwas Schmuck als Souvenir, trinke ein Gläschen Moselwein und fahre wieder zurück. Wegen Gleisbauarbeiten muss ich den als Ersatzverkehr eingerichteten Bus nehmen, der in Löf direkt am Moselufer hält. Dort gibt es einen gut erkennbaren Zugang zum Fluss, und ich sehe einige Leute baden. Das will ich auch! Endlich, endlich bietet sich mir eine Gelegenheit, das zu tun, was ich schon immer wollte: In einem Fluss schwimmen. Zurück in meinem – nun gewechselten, ruhigeren und schöner gelegenen (und auch etwas älter eingerichteten) – Zimmer, spüle ich mich ab und gehe später nach dem Essen (und einem Minigewitter, das ohne weitere Folgen bleibt und schnell wieder abzieht) so kurz vor 21:00 zum Fluss. Dort sind nun alle weg, und ich habe das Ufer für mich. Ich lasse die Crocs als Badeschuhe an, und das ist auch gut so bei dem unebenen, teilweise morastigen, teilweise steinigen Untergrund. Das Wasser ist kühl, aber angenehm, und nicht so kalt, wie ich es von einem Fließgewässer erwartet hätte. Herrliche 10 Minuten schwimme ich, und kein Lastkahn, kein Schnellboot oder irgendetwas anderes stört. Ein wunderbarer Ausklang des letzten (Nicht-)Wandertages, bevor es am Sonntag wieder nachhause geht.