Ich reis(s)e aus

…und bin draußen

11. und 12.07.18

Am Mittwoch, 11.07.18 ist es morgens wechselnd wolkig – auch graue, etwas bedrohlich aussehende Wolken sind dabei – und rattenkalt. Ich ziehe 2 Jacken übereinander, eine davon ordentlich gefüttert, und mache mir bei windigen 14,5°C Kaffee und taue danach allmählich auf.Heute will ich bis Gossersweiler-Stein, wo ich in einem kleinen Hotel ein Zimmer gebucht habe. Wieder vermisse ich beim Packen schmerzlich einen einfachen Tisch und brauche eine ganze Weile, bis ich wieder alles verstaut habe. Dann geht es den länglichen Zuweg zum Platz wieder zurück, und am Rand von Vorderweidenthal mache ich Pause am Sportplatz, denn über mir sieht es sehr dunkelgrau aus.

Dort lese ich eine ganze Weile, und breche schließlich wieder bei weiß-blauem Himmel auf. Es ist nicht weit bis Lindelbrunn, und von dort aus auch keine lange Strecke mehr bis Stein. Ein Wegstück ist dabei, das ich als „Garmin-Weg“ bezeichne: Auf der (topographischen, bezahlten) Karte ein normaler Wanderweg und von anderen nicht zu unterscheiden, aber vor Ort entpuppt sich der typische Garmin-Weg als gerade noch erkennbare Schneise voller hüfthoher Brennnesseln und Brombeergestrüpp. Es ist zum Glück nicht so weit, und ich gehe mit nach oben getreckten Armen (Brennnesseln!) durch.

Dann geht es noch eine Weile auf einfachen Wegen bergan, und gegen 17:30 erreiche ich das Hotel. Es wird geführt von einer älteren Dame (am nächsten Tag erfahre ich, dass sie Jahrgang 1929 ist) und existiert seit den 50er-Jahren. Teile der Einrichtung dürften noch aus dieser Zeit stammen, andere aus den 70ern (farngrüne Duschwanne und Klo) und aus neuerer Zeit (Flachbildfernseher und Fußboden). Ich habe sogar einen Balkon und finde mein Zimmer völlig ok.

Am Abend gehe ich in den Nachbarort und esse lecker beim dortigen Italiener, ein 2-Mann-Betrieb mit Vater und Sohn. Die Nacht in dem Hotelchen ist ruhig; die Inhaberin erzählt am nächsten Morgen, dass sie gern alles verkaufen würde, aber keinen Abnehmer findet. Ich fürchte, dies wird dann wieder ein dörflicher Gastronomiebetrieb, der bald ohne Nachfolge schließen wird – sehr bedauerlich.

Am Donnerstag, 12.07.18 wandere ich bis Leinsweiler. Für die kommende Nacht habe ich ein Zimmer in einem 4*-Hotel gebucht; auch der Weg dorthin hat 4*-Charakter, er führt an Streuobstwiesen entlang, durch 2 hübsche Dörfer (Waldrohrbach und Waldhambach) und kurz vor Leinsweiler durch schönen Laubwald.

Schon wieder habe ich meinen Gandalf-Stab vergessen, und muss einen neuen zurecht schnitzen; der aktuelle stammt von einer toten Birke. Es ist wieder sehr warm, und so freue ich mich über den Brunnen im Wald zum Trinken und Abkühlen.

Bald danach kommt mir die Strecke vom letzten Jahr wieder bekannt vor, besonders der Blick, wenn man den Waldrand (die Haardt) verlässt und plötzlich in die Ebene bzw. in die sanften Weinhänge sieht.

Dann ist es nur noch rund 1 km bis zu meinem Hotel. Dort angekommen, ziehe ich alle Sachen aus und wasche sie, nun auch mit der Wanderhose, die es der Farbe des Waschwassers nach sehr, sehr nötig hatte. Ich selbst gehe in’s Hallenbad, dusche dort und genieße die Ruhe, denn zu dieser Zeit sind die meisten Gäste im Restaurant.

Auch ich esse dort später; wie so oft, bin ich die Einzige, die allein am Tisch sitzt. Hier ist für mich ein Tisch reserviert, der nun auch noch direkt in der Mitte der Terrasse steht – wie auf dem Präsentierteller. Egal, ich genieße leckeres und teures Abendessen mit einem schönen Weißburgunder aus der Region.

Blick von der Hotelterrasse in die Weinhänge der Südpfalz