Ich reis(s)e aus

…und bin draußen

Inschrift auf einer Hauswand

Im Spessart 2020 (Teil 1)

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Die neue, sich global auswirkende Pandemie Corona hatte und hat uns alle leider fest im Griff und bedeutet eine Reihe von Einschränkungen für viele von uns. Ich kann wirklich von Glück sagen, dass die Folgen für mich persönlich praktisch zu vernachlässigen sind, während andere schwere Krankheitsverläufe durchmachen müssen, in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht oder ruiniert sind und vielleicht sogar Todesfälle in der Familie oder unter Freunden zu bewältigen haben.  Für mich bedeutet Corona nur:  Arbeit überwiegend im homeoffice und höchstens Einschränkungen bei Reise- und Urlaubsplänen. Die eigentlich geplante Tour an Mosel und in der Eifel im Frühjahr muss somit entfallen, ich werde sie aber irgendwann sicher nachholen. Nach den Lockerungsmaßnahmen, die dem flächendeckenden lock-down folgen, beschließe ich, zum Ende des Sommers mehrere Tage durch den Spessart zu wandern., den ich bisher noch gar nicht kenne. Diese Idee hat ein Artikel im Trekking-Magazin in der Juni-Ausgabe ausgelöst, der den ganz frisch markierten und zertifizierten Spessartweg 3 kurz vorgestellt hatte.

Am Sonntag, 23.08.20 fahre ich nach Bad Soden-Salmünster, einem kleinen Kurort an der Kinzig und Startpunkt der Tour. Schon die etwas mehr als 2 km Weg vom Bahnhof zum Hotel sind nicht verkehrt, es geht durch ein breites, flaches Tal, dann hinauf zu meinem Hotel. Am Abend gehe ich zum Essen durch den hübschen kleinen Kurpark und kehre zu einem wirklich leckeren Abendessen ein. Es dämmert schon, als ich zurückkehre, um von meinem Balkon aus dem Sonnenuntergang und der aufziehenden Dunkelheit zuzusehen.

Das Wetter am nächsten Tag Montag, 24.08.20, ist nicht super, aber annehmbar, und ich starte voller Vorfreude. Zunächst muss ich wieder ganz durch den Ort zurück zum offiziellen Beginn des Spessartwegs 3 am Bahnhof. Dann geht es noch eine Weile weiter durch ein mäßig interessantes Gewerbegebiet, bis ich endlich Wald und Wiesen erreiche. Neu ist, dass ich an diesem Tag erstmalig auf die gewohnten Trekkinghosen verzichte und Wanderleggings trage:

Sie fühlen sich natürlich wesentlich elastischer und nachgiebiger an, fast spüre ich sie kaum. Nur manchmal fehlen mir die vielen Taschen, die ich an normalen Trekkinghosen sehr schätze. Ich würde sagen: Die Leggings haben Potential, und ich werde sie sicher öfter mal mit Trekkinghosen abwechseln – je nach Vorhaben und Laune.

Die Strecke heute ist abwechsungsreich und bietet mit den Hirschbornteichen, der Bildeiche und dem Haseltal einige Highlights. An den Hirschbornteichen wird gerade gebaut (Wegebefestigungen), sonst ist es dort bestimmt noch schöner. An der Bildeiche mit der kleinen Kapelle mache ich länger Rast, es ist ein schöner Ort mitten im Hochwald.

Es gibt viele Anliegen, die hier verschiedenste Passanten zu Paper gebracht und in der bereit stehenden Kassette hinterlegt haben. Ein paar davon studiere ich, es sind überwiegend gute Wünsche für die Gesundheit nahe stehender Familienmitglieder, oft auch Danksagungen für gut überstandene Zeiten. Ausnahmslos handelt es sich um nicht-materielle Wünsche. Ich drücke die Daumen, das vieles davon in Erfüllung geht.

Nach Kapelle und  Bildeiche geht es noch eine Weile weiter durch den schönen Laubmischwald,

Haselbachtal

dann geht es rechts ab hinunter in das Tal des Haselbachs, das als eines der schönsten Täler im Spessart gilt.

Tatsächlich wird dieser Wegabschnitt richtig hübsch, allerdings ist er selbst an diesem Montagnachmittag nicht gerade einsam. Nach rund 1,5 km geht es links steil einen Hang hinauf, und von dort ist es nicht mehr weit bis in den Ort. In Bad Orb kaufe ich einiges für das Abendessen ein – heute will ich mich selbst versorgen – und gehe durch den gesamten Kurpark bis zu meinem kleinen Hotel. Die Strecke war für meine Verhältnisse recht lang mit etlichen Höhenmetern, und ich merke, dass mir Übung und Kondition fehlen. Am nächsten Tag ist es regnerisch, und ich beschließe, eine kürzere Rundtour um Bad Orb zu unternehmen und mir das 155m lange Gradierwerk näher anzusehen, für das der Ort schon lange berühmt ist.

Die Rundtour am Dienstag, 25.08.20  ist – obwohl in direkter Näher zum Ort – herrlich ruhig, und ich genieße das heute deutlich leichtere Gefühl auf dem Rücken. Am späteren Mittag suche ich einige Zeit nach einem geeigneten Platz für eine Hängemattensiesta, aber entweder ist das Gelände zu steil, oder es ist zu gut vom Weg einsehbar – und der schließlich einsetzende Regen setzt der Suche dann sowieso ein Ende.

Auf dem Rückweg am Abend gehe ich essen, ohne erst in mein Hotelzimmer zu gehen, und wieder ist es extrem lecker. Es ist ruhig in dem Restaurant, und die nächsten Gäste sind etliche Meter weg. So habe ich nicht das Gefühl, ein besonderes Infektionsrisiko einzugehen.

Am Ortsausgang von Bad Orb

Am nächsten Tag, Mittwoch, 26.08.20 ist das Wetter richtig kalt und dunkelgrau, während Sturm Kirsten ihr Unwesen treibt. Ich brauche eine ganze Weile, um aus dem Ort zu kommen, denn der Spessartweg 3 führt über einen Teil des Geländes der Reha-Klinik Küppelsmühle, die ihr Areal aus Infektionsschutzgründen für alle Passanten und Besucher gesperrt hat. Erst beim 3. Versuch und nach einigen Höhenmetern finde ich einen passenden Einstieg in den Weg und verlasse bald das hübsche Kurstädtchen.

An anderen, wärmeren Tagen wäre die nett gelegene Kneippanlage etwas außerhalb des Ortes bestimmt noch  willkommener, aber da sie nun einmal hier direkt am Weg liegt, nutze ich sie auch und packe hinterher meine gut durchbluteten, von dem kalten Wasser kribbelnden Füße wieder dankbar in die warmen Socken und Stiefel. Später mache ich an einer hübsch gelegenen Schutzhütte eine ausführliche Pause, denn der Himmel sieht so aus, als würde es jeden Moment regnen. Aber es passiert nichts und ich bleibe trocken. Etwa 70-80m vom Weg entfernt sehe  ich voller Entzücken 2 Damhirsche in Ruhe äsen, und ich gehe etwas näher heran, um Fotos zu machen – aber der Erfolg ist überschaubar, und die beiden Tiere suchen dann doch das Weite. Später erfahre ich, dass sie aus einem Wildgehege entlaufen sind, so dass sie nicht ganz so scheu wie ihre wild lebenden Verwandten sind.

Die Strecke ist mit ca 12-13km bis zu meinem Ziel Lettgenbrunn nicht allzu lang. Die Strecke ist wieder sehr hübsch, und mir fallen die vielen Eichen auf, die hier einen wesentlichen Teil des Laubwalds stellen. Am Etappenziel gibt es nur eine einzige Unterkunft, ein Jagdhotel. Ein wenig muss ich schon über meinen Schatten springen, um dort zu übernachten – und tatsächlich sehe ich am Abend viel, das auf Jagd und tote Tiere als enorm wichtige Passion des Besitzerpaares schließen lässt. Auch die Speisekarte enthält nichts – wirklich gar nichts -, das ohne Fleisch auskommt. Ein Gericht (ich habe vergessen, was es war), wurde dann mit weggelassenem Speck tauglich für mich gemacht. Das ist sehr nett, und das Zimmer – als Teil einer sehr neuen und äußerst komfortabel eingerichteten Ferienwohnung – ist besonders schön. Ich verbringe wieder eine ruhige Nacht und hoffe, dass sich die Wetterbedingungen verbessern und auch endlich mal eine längere Pause mit der bisher ungenutzten Hängematte möglich machen.

 

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