Ich reis(s)e aus

…und bin draußen

Bayerischer Wald 2019 (Teil 2)

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Kurz nach der Tour mit Alissa besuchen uns Franz und Sibylle; der Wohnort südlich von München ist zwar auch nicht direkt um’s Eck, aber mit rund 200 km Entfernung ist Regen immer noch ganz gut erreichbar. Wir verbringen 11/2 Tage zusammen, wobei der erste das schlechteste Wetter im ganzen Urlaub bietet. Wir fahren in den Nationalpark und sehen uns – praktisch allein – den Baumwipfelpfad und die Ausstellung im Hans-Eisenmann-Haus an.

Der Hund von Franz und Sibylle ist inzwischen sehr, sehr alt und kann nur noch kurze Strecken selbst zurücklegen.1000 Schlechtwetter-Hexenkessel

Also wird er in einem eigens dafür beschafften Wagen geschoben, irgendwie ein bisschen zwischen Kinderwagen und Rollstuhl. Nicht jeder HunEingepackt gegen kaltes Sauwetterdebesitzer würde so viel für sein Tier tun, aber für die beiden ist dies alles selbstverständlich.

Am nächsten Tag ist dDie rote Jacke ist praktisch der einzige Farbklecksas Wetter wieder so, dass man gern draußen ist. Wir besuchen das Tierfreigelände bei Ludwigsthall, lernen dort einiges und freuen uns ansonsten einfach, dass wir uns sehen. Am frühen Nachmittag fahren die beiden wieder nachhause.

In den Tagen danach starten Kai und ich wieder zu vielen wandermäßig zum Teil bekannten und sehr gemochten, zum Teil aber auch zu lange nicht gegangenen und auch zu einer unbekannten Tour. Wie jedes Mal muss natürlich die Tour über die Filzmoose dabei sein, an Vielfältigkeit und Schönheit immer wieder ein Genuss.

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Ich erinnere mich an meine letzte Tour während meines Sabbaticals, als ich vom Parkplatz Fredenbrücke aus eine schöne Rundtour gegangen bin, über die Martinsklause, und in einem Bogen über Waldhäuser wieder zurück. So ähnlich, nur kürzer gehen wir an einem Tag auch, wobei für mich der Anfang der Strecke neben der kleinen Ohe der schönste Abschnitt ist.

Im Ort Waldhäuser kehren wir ein, allerdings nicht dort, wo es die Möhren-Zucchinipuffer gab, die mir den letzten Tag des Sabbaticals 2018 so versüßt hatten. Trotzdem essen wir auch hier lecker, sogar mit schönem, weitläufigen Landschaftsblick und brechen wieder mit ordentlich gefülltem Bauch auf. Nur finden wir leider keinen schönen Platz, um danach gepflegt im Wald  abzuhängen.

Am Anfang des Urlaubs hatte ich einen neuen Wanderführer gekauft, der dann auch einmal in Aktion treten soll. Wir planen, den Zachenberger Steinbruchweg zu gehen; aber vorher gehe ich noch in die Rezeption des Feriendorfs, um nach Ersatz für 2 kaputte Glühbirnen zu fragen. Die beiden Kolleginnen dort hatten mir schon vor einigen Monaten mitgeteilt, dass die Eigentümerin des Hauses, in dem wir schon so oft Urlaub gemacht haben, verstorben sei. Und für den Fall, dass ihr Sohn das Haus verkaufen möchte, hatten sie sofort an Kai und mich als mögliche neue Eigentümer gedacht. Ich frage nach, aber der Sohn möchte alles wie bisher weiterlaufen lassen und nicht verkaufen. Aber ein anderes Haus stünde zum Verkauf an; und sogleich bekomme ich einen Schlüssel, um das Haus (allein und ungestört) besichtigen zu können.

Wir starten erst einmal nach Auerbach zu unserer bisher unbekannten Wanderung, die sich als nicht ganz so „wild“ erweist , wie der Buchtitel verspricht, aber zumindest in der ersten Hälfte gleichermaßen schön und interessant ist. Und sie bietet viel Lehrreiches über die Vergangenheit, als in diesem und den benachbarten Dörfern viele Steinhauer unter heute kaum vorstellbar schlechten Bedingungen gearbeitet und karg gelebt haben.

Leider ist das Café in Kleinried nach der Hälfte der Tour geschlossen, und es gibt keine Einkehrung.

Auch eine Hängemattenpause können wir nicht einschieben, auf der zweiten Hälfte der Tour sind wir auf breiten Wegen unterwegs, auf denen uns mehrfach ein Trecker entgegenkommt bzw. von hinten überholt, und seitwärts ist der Wald zu einsichtig. Also gehen wir einfach zurück, und ich bin schon ziemlich gespannt auf das Haus, das wir uns nun noch ansehen wollen. Wer weiß, vielleicht ist dies ja wirklich ein Kandidat zum Kaufen, um  meinen Erbteil anzulegen? Von den Nachbarn im Feriendorf weiß ich, dass sie ebenfalls ihr Haus verkaufen und welche Preisvorstellung sie realisieren wollen. Ich durfte am Anfang des Urlaubs einen kurzen Blick hineinwerfen: Die Lage ist nicht ganz optimal, es gibt kein gesondertes Gästeklo, und oben haben sie einen Teil der Galerie mit einer Holzverschalung abgeteilt, was ich nicht so gelungen finde. Aber die Küche, der Ofen und die Möbel sind neu.

Also gehen Kai und ich voller gespannter Vorfreude durch das Feriendorf, und siehe da, das zum Verkauf stehende Haus gefällt uns auf Anhieb gut: Es gibt genügend Gemeinsamkeiten mit dem bisher gemieteten Haus, das natürlich trotz all seiner Unzulänglichkeiten Kultstatus hat, aber dieses hier ist besser in Schuss.

Es ist 16m² größer, es wurde in eine neue Küche und neue Böden investiert, die Lage ist netter, die Terrasse geht nach Süd-süd-west, und das sonnige Grundstück hat mit 715m² eine ganz ordentliche Größe.

Um es kurz zu machen: In der Zwischenzeit ist alles unter Dach und Fach, und seit 01.01.2020 bin ich Eigentümerin. Darüber berichte ich nochmal, denn den Notartermin in Regen habe ich auch mit einer schönen Wanderung verbunden. Für Kai und mich ist es nun das „Birkenhaus“, denn auf dem Grundstück stehen mindestens 4 Birken.

Ansonsten haben Kai und ich nach etlichen Jahren auch mal wieder einen Ausflug nach Deggendorf mit seinem hübschen Kern gemacht, und dies natürlich mit einer Schiffchenfahrt auf der Donau verbunden.

Nach längerer Zeit nehmen wir uns auch mal wieder die Gipfeltour zum Falkenstein vor. Start ist in Zwieslerwaldhaus, ein hübscher Ort mit einem alten, traditionsreichen Gasthof (dem ältesten des Bayerischen Waldes), wohl Keimzelle und Namensgeber des Ortes. Es geht erst einmal eine ganze Weile durch schönen, lichten Mischwald  auf dem Goldsteig hoch, aber nicht allzu steil. Das Wetter ist wieder wunderbar und gleicht die Anstrenung locker aus. Oben wird es ebener, und nach der Freifläche – der Ruckenwies –

machen wir einen Abstecher auf den Erlebnisweg, der hier den Windwurf zeigt, die Urgewalt eines Sturmes, der auch große Bäume mit großen, mehrere Meter messenden Wurzeltellern umgeworfen hat. Jetzt herrscht hier fast Windstille mit blauem Himmel und angenehmen Temperaturen. 

Inzwischen sind wir nicht mehr so allein, man merkt, dass wir in der Nähe des Falkensteingipfels sind. Dort oben ist das Schutzhaus ausgebaut worden, ganz fertig sind die Arbeiten noch nicht – aber man kann auf 1.315m Höhe einkehren, wunderbarsten Kaiserschmarrn essen und die Attraktion im Gastraum bewundern: Das riesige Panoramafenster, das heute bei bestem Wetter seinem Namen wirklich Ehre macht. Danach machen wir uns allmählich auf den Rückweg, zunächst abwärts Richtung Kleiner Falkensteingipfel (Kai klettert rauf, und schwärmt von dem phantastischen Blick, ich klettere nicht), und von dort geht es auf einem nicht mehr ausgeschilderten Weg zu den Steinbachfällen weiter; Track und der noch vorhandene Pfad reichen aber vollkommen zur Orientierung. Der Pfad ist eng,  wirkt zugewachsen, ist aber schön und noch einfach zu gehen. Dann wird es steiler, und ich bin froh, nur Tagesgepäck dabei zu haben. Hier hättte ich nicht mit dem großen Rucksack und 13kg Gewicht, das dann auch noch von hinten Schub gibt, heruntergehen mögen. Auch so muss ich mich an einer Stelle auf den Hintern runterlassen. Dann überqueren wir den Steinbach, der eine Weile neben uns rauscht und eine ausgewaschene, interessante Felsrinne gebildet hat.

Etwas später sehen wir dann die Steinbachfälle.

Ein schöner, hier wirklich wild wirkender Ort – ich kann mir vorstellen, direkt in dem kalten Wasser zu „duschen“ (bestimmt ein atemberaubendes Erlebnis – buchstäblich) oder seine Schönheit einfach wirken lassen.

Kurz darauf wird der Weg wieder einfacher und weniger steil, und wir passieren den wohl ältesten Baum, mindestens in diesem Urlaub: Hier steht am Wegrand eine Eibe, in den Wäldern ein seltener Baum. Dieser hier ist etwa 1.000 Jahre alt.

Dann geht es auf einfachen Wegen weiter runter, bis zum Ort, den wir noch durchqueren, um bis zum Auto zu kommen. Eine wunderschöne Wanderung, die nicht gerade „kinderwagentauglich“ ist, aber auch nicht zu schwer. Wir werden sie sicher wiederholen, und die Tour auch wieder in dieser Richtung gehen, denn die meisten anderen Wanderer kamen uns entgegen.

Eine kleine, aber hübsche Miniwanderung muss natürlich wie jedes Mal auch dabei sein: Die Hochleitenrunde bei Lindberg, mit gut 3km keine große Sache, aber zum Warmwerden oder für weniger Zeit oder in Verbindung mit einer anderen kleinen Unternehmung ideal.

Dieses Mal nutzen wir sie auch zu einer ausführlichen Hängemattensiesta, um hinterher noch einzukehren.

Ich weiß, all das könnte nach einer Aufzählung nur mäßig interessanter Erlebnisse klingen. Aber für uns war dieser Urlaub ein Genuss von Anfang an, und hat nach einer nicht ganz einfachen Zeit genau das gebracht, was wir brauchten: Entschleunigung und tiefes Durchatmen.

Und als Highlight natürlich: Das eigene Ferienhaus!

 

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